Dienstag, 06. Juni 2017 20:00

Gauland kommt zu Wahl-Debatte nach Bayreuth - Das sagen die Parteien dazu

Am Donnerstag findet an der Uni Bayreuth eine Debatte zur Bundestagswahl statt. Auch Alexander Gauland von der "Alternative für Deutschland" ist geladen.
Alexander Gauland von der AfD kommt am 8. Juni an die Universität Bayreuth, um über sein Wahlprogramm und dessen Auswirkungen auf die Studierenden zu sprechen. Symbolfoto: Britta Pedersen/ dpa

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Am Donnerstag (8. Juni) lädt das Studierendenparlament (Stupa) der Universität Bayreuth zu den "Bayreuther Debatten: Bundestagswahl 2017" ins Audimax. Im Zentrum der politischen Diskussion mit sechs Parteienvertretern steht die Frage: "Welche Auswirkungen hätte Ihre Politik auf die Zukunft von Studierenden?" Neben Vertretern der CSU, SPD, der Grünen, der FDP und der Linken ist mit Alexander Gauland auch ein Kandidat der AfD geladen.



Welche Debatten der Entscheidung des Stupa dem Vorausgingen, wo der Vorsitzende Niklas Wenzel Gefahren und Vorteile sieht, und was die Parteien dazu sagen.


Niklas Wenzel (Stupa): Entscheidend war die Meinungsfreiheit



Niklas Wenzel erklärt die Einladung Gaulands so: "Da es sich bei der Veranstaltung um eine Debatte anlässlich der Bundestagswahl handelt, haben wir entschieden, Vertreterinnen aller Parteien einzuladen, die eine realistische Chance haben, nach der Wahl im Bundestag vertreten zu sein. Hierfür haben wir eben auch die AfD kontaktiert". Alexander Gauland sei der erste AfD-Vertreter gewesen, der sich zurückmeldete.

Im Stupa sei laut Wenzel lange diskutiert worden, ob es vertretbar sei, ein Mitglied der AfD einzuladen. "Letzendlich hat sich das Studierendenparlament mit dem Bezug auf die Meinungsfreiheit und den Meinungspluralismus in einer Demokratie mit 19 Stimmen dafür, 3 dagegen entschieden (bei 5 Enthaltungen) die Veranstaltung in der jetzigen Form stattfinden zu lassen", erklärt Wenzel den Prozess.

Gefahren sehe Wenzel weniger darin, Gauland einzuladen, als dass Menschen wegen Gauland die Veranstlaltung stören könnten. "Eine Gefahr sehe ich auch eher darin, sich nicht mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen", sagt Wenzel, der die Veranstaltung am Donnerstag auch moderieren wird.


Konstantin Kuhle (FDP): Aufgabe der Parteien ist es, miteinander zu streiten



Auch Konstantin Kuhle, der für die FDP an der Debatte teilnehmen wird, sagt: "Ich bin den Organisatoren dankbar, dass die Studierenden so die Möglichkeit haben, die radikalen Positionen der AfD mit den Positionen anderer Parteien zu vergleichen und sich selbst ein Urteil zu bilden." Es sei laut Kuhle die ureigene Aufgabe politischer Parteien, miteinander zu streiten. Eine Gefahr an der Teilnahme Gaulands sehe er lediglich darin, "dass sich die Debatte nur um die Anwesenheit der AfD dreht."




Thomas Gambke (Grüne): Die Auseinandersetzung mit der AfD muss öffentlich geführt werden


Es sei absolut in Ordnung, auch mit einem Vertreter der AfD zu debattieren, sagt Thomas Gambke, der für die Grünen an der Debatte teilnehmen wird. "Die Auseinandersetzung mit der AfD muss geführt werden. Im öffentlichen Raum." Mit Kandidaten wie Gauland oder Alice Weidel würde sich die AfD nur selbst entlarven: "Mit der Spitzenkandidatin (Weidel) habe ich kürzlich eine Podiumsdebatte gehabt und es war bemerkenswert, wie schwach und fachlich angreifbar sie argumentiert hat", meint Gambke.

Gambke erwarte eine sachliche, faire Diskussion. "Inhaltlich hat die AfD nichts oder nur Ewiggestriges zu bieten, das wird sicherlich auch bei dieser Debatte klar werden. Wenn allerdings rechts-nationale Ideologie oder einfach falsche Argumente vorgetragen werden, werde ich klar widersprechen - und sicherlich auch die Diskussionsleitung."


Frank Tempel (Linke): "Auf die Teilnahme der AfD lege ich keinen Wert"


"Grundsätzlich ist es richtig, einen demokratischen Diskurs zu den Vertretern der Parteien zuzulassen und in den Wettstreit sachlicher, inhaltlicher Argumente und Vorschläge zu gehen. Auf die Teilnahme der AfD lege ich dabei keinen Wert", sagt Frank Tempel, der als Vertreter der Linken bei der Debatte dabei sein wird. Tempel kenne von der AfD außer populistischen Allgemeinposten keine fachlich-inhaltlichen Ansätze. "Allerdings lasse ich mich auch nicht durch die AfD von einem solchen Diskurs abhalten. Damit wäre diese Partei deutlich überbewertet", so Tempel. Zwar bestehe die Gefahr, dass die AfD ein öffentliches Podium für rechtspopulistische Forderungen bekomme. "Diese können allerdings widerlegt werden." Vor einer Konfrontation mit der AfD reiße er aber nicht aus.


Uli Grötsch (SPD): "Rechtspopulisten kann man nur entlarven, wenn man sie öffentlich stellt"

Auf die Frage, wie Uli Grötsch von der SPD dazu stehe, dass mit Alexander Gauland auch ein Vertreter der AfD an der Debatte teilnimmt, antwortet Grötsch: "Die Teilnehmer wurden vom Studierendenparlament bestimmt. Ich habe das so zu akzeptieren und tue das natürlich auch." Rechtspopulisten könne man nur entlarven, wenn man Sie öffentlich stellt. Das sei ein Vorteil der Entscheidung des Stupa. "Der Nachteil ist, dass Rechtspopulisten jedes Podium nutzen, um ihre abstrusen Thesen zu verbreiten", meint Grötsch. Er bereite sich nicht besonders vor, nur weil ein Vertreter der AfD an der Debatte teilnehme. "Ich sehe das auch nicht als einen Showdown, sondern eben als eine Auseinandersetzung mit einem sehr krassen Rechtspopulisten."


Wolfgang Karl (Die Partei): "Man braucht immer jemanden, über den man lachen kann"

Nicht zur Debatte geladen sind neben anderen Kleinparteien auch die Vertreter der Satirepartei "Die Partei". Wolfgang Karl, der Bayreuther Direktkandidat der "Partei", hält das für einen Skandal; "weil wir die einzige Stimme der Studierenden in der Parteienlandschaft sind. Schließlich sind die Hälfte unserer Mitglieder Studierende." Die Kernfrage der Debatte, wie sich die Politik auf die Studierenden auswirke, beantwortet Karl so: "Wenn wir an die Macht kommen, kann jeder studieren so lange er will. Wir wollen eine Republik der Studenten, weil die nachdenklicher und zukunftsorientierter sind. Das schadet auch keinem 80-Jährigen." Zudem fordere Karl eine eigene Bibliothek für jeden Studenten und Rabatte auf alles: "Also auch auf Autos, Immobilien und dergleichen."



Alexander Gauland oder einen anderen Vertreter der AfD müsse man natürlich zu solch einer Debatte einladen. "Man braucht immer jemanden, über den man lachen kann", so Karl. "Der Mensch möchte unterhalten werden, geht aber immer seltener ins Theater oder Kabarett. Deshalb gibt es so viele Spaßparteien wie die FDP, die Grünen und eben auch die AfD."

Die Debatte zur Bundestagswahl findet am Donnerstag (8. Juni) um 18.30 Uhr im Audimax der Universität Bayreuth statt.

Die Vertreter der CSU (Silke Launert) und der AfD (Alexander Gauland) äußerten sich nicht auf die Anfrage dieser Zeitung. Die Reihenfolge im Artikel richtet sich nach der Zeit des Erhalts der Antwort.